Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) hat das Projekt Bergsteigerdörfer 2008 ins Leben gerufen, um die Regionalentwicklung strukturschwächerer Regionen zu unterstützen und ein Gegenmodell zum ressourcenintensiven Tourismus zu schaffen.
Die Initiative Bergsteigerdörfer orientiert sich an den Zielen der Alpenkonvention. Dabei stehen der Erhalt von Natur und Landschaft, die Berücksichtigung der Interessen der ansässigen Bevölkerung sowie die Bewahrung des kulturellen Erbes im Mittelpunkt.
Bergsteigerdörfer sind kleine und ruhiggebliebene Ortschaften oder Gemeinden. Sie haben keine großen Skigebiete, dafür aber eine erstklassige Natur- und Kulturlandschaft. Bergsteigerdörfer besitzen ein sehr gutes Wege- und Schutzhüttennetz und vielfältige Tourenmöglichkeiten in den Bergen. Bergsteigerdörfer gestalten ihre Zukunft selbstbewusst und aktiv. Sie stärken regionale Wirtschaftskreisläufe, tragen zum Erhalt der Nahversorgung bei und fördern Mobilitätsangebote, die eine Anreise und Fortbewegung ohne eigenes Auto ermöglichen.
Kriterien hier im Detail zum Nachlesen.
Das Angebot der Bergsteigerdörfer richtet sich an Gäste, die mit einem vielfältigen Bergsportangebot die Naturschönheiten genießen möchten und die Entschleunigung suchen. Sehr oft deckt sich das mit den Vorstellungen der Mitglieder der Alpenvereine.
Die Initiative Bergsteigerdörfer ist international aufgestellt: Zu Österreich und Deutschland gesellen sich jetzt auch Italien, Slowenien und die Schweiz als Projektpartner. Projektträger sind die alpinen Vereine: Österreichischer Alpenverein (ÖAV), Deutscher Alpenverein (DAV), Alpenverein Südtirol (AVS), Slowenischer Alpenverein (PZS), Club Alpino Italiano (CAI) und der Schweizer-Alpenclub (SAC). Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit verbindet die alpinen Vereine und unterstützt gemeinsame Ansätze für eine natur- und landschaftsverträgliche Entwicklung des Tourismus im Alpenraum.
Eine Übersicht zu den aktuellen Bergsteigerdörfern, Informationen zu Partnerbetrieben, Tourenmöglichkeiten etc. zu finden auf der offiziellen Projektseite.
Der Alpenverein Südtirol (AVS) ist in Südtirol für die Projektkoordination zuständig. Der AVS hat eine Grobanalyse aufgrund der vom ÖAV vorgegebenen Kriterien durchgeführt. In Südtirol gibt es allerdings nicht mehr allzu viele Ortschaften, welche die Kriterien der Bergsteigerdörfer erfüllen könnten. Das Prädikat ist daher exklusiv! Wichtig für den AVS ist auch die Unterstützung durch eine lokale AVS-Ortsstelle oder AVS-Sektion.
Das erste Bergsteigerdorf in Südtirol ist Matsch. 2018 ist das ladinische Dorf Lungiarü (dt. Campill) als erstes Bergsteigerdorf in den Dolomiten dem Netzwerk beigetreten. Die Etablierung eines Dorfes mit den dafür vorgesehenen Maßnahmen (Broschüren, Arbeitsgruppe, offizieller Beitritt) dauert ca. 1 ½ Jahre. In den beiden Bergsteigerdörfern erarbeiten Ehrenamtliche in einer lokalen Arbeitsgruppe Maßnahmen, die bestenfalls Besucher:innen und Einwohner:innen zu Gute kommen, und setzen diese um.
Bergsteigerdörfer lassen sich vielseitig erkunden und erleben: Bergsport in all seinen Facetten, Kulturgenuss, Kulinarik, Entschleunigung, Reisen mit gutem Gewissen, Naturerlebnis.
”Bergsteigerdörfer sind gelebte Alpenkonvention und bieten Gemeinden und Talschaften eine Chance, ihre Zukunft selbstbewusst und nachhaltig zu gestalten und Bestehendes in Wert zu setzen.
Wild und vielfältig präsentiert sich das erste Bergsteigerdorf Südtirols im Obervinschgau. 15 Dreitausender umrahmen das Matscher Tal, das auch als das am besten erforschte Tal Südtirols gilt. Ein Ort ideal zum Genießen und Verweilen.
Verborgen und verwurzelt ist das ladinische Bergsteigerdorf umgeben von Dolomitengipfeln. Es will seine Ursprünglichkeit bewahren, seine Kultur und Identität pflegen. Die Natur- und Kulturlandschaft bietet genügend Möglichkeiten zur Bewegung aus eigener Kraft.