Blick auf Ardez © Judith Egger

Die Naturschutzbeauftragten der alpinen Vereine im Alpenraum sind Mitglieder der Kommission Naturschutz & alpine Raumordnung (KONSAR) des CAA. Sie trafen sich Ende Oktober zum jährlichen Austausch in Scuol. Das Treffen fand am Rande der Jahrestagung der Bergsteigerdörfer in Lavin, Guarda und Ardez statt.

Wir sind Beobachter der Alpenkonvention

Die Alpenkonvention, welche heuer ihr 35-jähriges Bestehen feiert, bildet die Grundlage der Zusammenarbeit im Club-Arc-Alpin (CAA). Vertreter:innen der CAA-Mitgliedsverbänden sind in verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen der Alpenkonvention als Beobachter vertreten. Eine sehr wertvolle Arbeit leistet der Überprüfungsausschuss der Alpenkonvention, welcher die Auslegung von Bestimmungen in Berichten für die Praxis festschreibt. Diese Arbeit sollte von den Mitgliedsorganisationen verstärkt für ihre naturschutzfachlichen Stellungnahmen genutzt werden. CAA-Geschäftsführer Lukas Wachter unterstrich, dass die Arbeit der  KONSAR in den einzelnen Verbänden besser bekanntgemacht werden sollte.

 

Neue Kommissionsmitglieder vorgestellt

Neu in der Kommission ist Jutta Gubler Kläne-Menke (SAC), die anstelle von Philippe Wäger tritt. Ebenfalls zum ersten Mal anwesend war Alberto Ghedina, der den CAI im Vorstand des CAA vertritt und dort vorwiegend für die Naturschutz-Themen zuständig ist. Beide wurden herzlich willkommen geheißen.

 

Tätigkeiten der Verbände: Naturschutz, Klimaschutz und Umweltbildung

Die Jahresberichte der Verbände sind fixer Bestandteil der KONSAR-Sitzung. Fast alle Verbände befassen sich mit Großprojekten zum Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energiequellen und vereinsintern mit Maßnahmen für den Klimaschutz (z.B. durch eine CO2-Bilanzierung von Gesamtverein und Pilotsektionen oder die Implementierung von echten „game changer“-Maßnahmen). In der Kommission ist man sich darüber einig, dass Klimaschutz nicht gegen die Interessen des Naturschutzes ausgespielt werden darf. Ein wichtiges Thema in allen Verbänden ist nach einem sehr trockenen Jahr die Wasserverfügbarkeit und Wassernutzung in den Alpen. Künftig könnte man den Austausch mit der Hüttenkommission anstreben, um den Naturschutz bei Entscheidungen zur Anpassung der vereinseigenen alpinen Infrastrukturen besser einzubinden.

Zeitgleich mit der Klimakrise befinden wir uns auch in einer Biodiversitätskrise. Gefordert sind deshalb, ganz im Sinne der EU-Wiederherstellungsverordnung (Nature Restoration Law), auch Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität. Beim DAV arbeitet man langfristig an der Wiedervernässung und Wiederherstellung von Moorflächen, welche bedeutende Mengen CO2 speichern und somit einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz leisten können. Der ÖAV lanciert das Projekt „Mein Naturschatz“ zur Finanzierung von Kleinprojekten zur Förderung der Biodiversität, welche durch die offiziellen Förderschienen nicht oder nicht ausreichend finanziert werden.

Die Hütten sollen bei der FFCAM beispielgebend für Ressourcen schonendes Wirtschaften sein und „Leuchttürme für die Umwelt“ werden. Die Ausbildung und Sensibilisierung der Mitglieder unterschiedlicher Altersstufen ist ebenfalls ein Schwerpunkt im Jahresprogramm.

 

Gemeinsame Position zum Overtourism

Auf Initiative des CAI und mit Unterstützung des AVS wurde der Entwurf für ein Positionspapier zum Overtourism in den Alpen erarbeitet und in der Sitzung intensiv diskutiert. Es soll bei der CAA-Mitgliederversammlung im Frühjahr 2027 verabschiedet werden. Das Thema Overtourism war in der Berichterstattung der Südtiroler Medien omnipräsent, befinden sich doch mehrere Selfiejäger-Hotspots wie der Pragser Wildsee, die Seceda, die  St. Magdalena-Kirche in Villnöss (berühmte Blicke auf die Geislergruppe) oder die Drei Zinnen in Südtirol.

 

Austausch und Ausblick

Alberto Ghedina regte für die Zukunft an, man solle sich in den Verbänden mehr als Kulturvermittler sehen, um die Werte des alpinen Raumes jüngeren Generationen zu vermitteln. Unsere Gesellschaft ist derzeit auf Grenzenlosigkeit ausgerichtet – dem müsse man entgegenwirken. Für ihn seien Grenzen nicht da, um auf etwas zu verzichten, sondern um innerhalb der Grenzen zu genießen.

Für das nächste Jahr wurden u.a. die Bearbeitung der Themen Wasser und Wassernutzung, Multifunktionalität von Räumen, der Austausch über Social Media Kampagnen zum Klimaschutz und über Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen sowie die Stärkung der Rolle des Anwalts der Alpen im Naturschutz vorgeschlagen.

Nach einem fruchtbringenden Austausch verabschiedeten sich die Teilnehmer:innen mit vielen Anregungen für die eigene Verbandsarbeit.

Teilnehmer:innen der CAA-KONSAR, v.l.n.r.: Liliana Dagostin (ÖAV), Perrine Torrent (FFCAM), Judith Egger (AVS), Jutta Gubler Kläne-Menke (SAC), Philippe Wäger (SAC), Steffen Reich (DAV, Kommissionsvorsitzender), Alberto Ghedina (CAI, Vorstand CAA) (c)Judith Egger; Eindrücke aus den Bergsteigerdörfern Ardez und Guarda (c)Judith Egger