Rotwildrudel aus der Ferne beobachtet © Reinhard Haller

Am 4. Oktober wird weltweit der Welttierschutztag begangen. Für den Alpenverein Südtirol ist dieser Tag Anlass, den Blick auf jene Tiere zu richten, die unseren alpinen Lebensraum prägen und oft im Verborgenen leben. Gerade im Herbst, wenn sich die Natur auf den Winter vorbereitet, sind viele Wildtiere besonders störungsempfindlich. Der AVS ruft deshalb alle Bergsportlerinnen und Bergsportler dazu auf, mit ihrem Verhalten Verantwortung für die Tierwelt zu übernehmen.

Freiheit mit Rücksicht auf die Wildtiere

Aktuell befindet sich die Hirschbrunft auf ihrem Höhepunkt. In den frühen Morgen- und Abendstunden hallen die markanten Rufe der Hirsche durch Wälder und Bergflanken. Ein Brunfthirsch verliert während der Brunftzeit 20 bis 30 Prozent seines Körpergewichts – Fettreserven, die er für den Winter so weit wie möglich wieder aufbauen muss. Jeder unnötige Stress, jede Störung durch Menschen oder freilaufende Hunde kann zusätzliche Kräfte kosten, die später für das Überleben im Winter fehlen.

Besonders sensibel sind die Dämmerungsstunden. Viele Wildtiere sind genau dann aktiv, wenn Wandernde, Trailrunner:innen oder Mountainbiker unterwegs sind. Werden Tiere aufgeschreckt, flüchten sie oft über große Distanzen. Das kostet wertvolle Energie und kann sie aus wichtigen Rückzugsgebieten verdrängen.

„Der Schutz von Wildtieren ist weit mehr als eine Frage des Tierschutzes. Wildtiere sind ein wesentlicher Bestandteil funktionierender Ökosysteme. Wer Wildtiere schützt, schützt damit auch den alpinen Raum als Lebens-, Natur- und Erholungsraum“, betont Klaus Bliem, Leiter des AVS-Referats Natur und Umwelt.

Der Alpenraum ist heute stärker genutzt als je zuvor. Freizeitaktivitäten finden zunehmend ganzjährig und oft abseits markierter Wege statt. Gleichzeitig geraten die Lebensräume vieler Tierarten durch Infrastruktur, Klimawandel und menschliche Nutzung unter Druck. Umso wichtiger sei es, bekannte Ruhezonen zu respektieren und die Bedürfnisse der Tiere bei der Tourenplanung mitzudenken, sagt Bliem.

Der AVS empfiehlt daher, auf den markierten Wegen zu bleiben, bekannte Wildruhezonen zu beachten und Hunde stets unter Kontrolle zu halten. Wer in der Dämmerung unterwegs ist, sollte sich bewusst machen, dass dies die aktivste Zeit vieler Wildtiere ist. Auch das Beobachten von Tieren sollte stets mit ausreichendem Abstand erfolgen.

„Viele Menschen suchen in den Bergen Natur, Ruhe und Ursprünglichkeit. Genau diese Werte hängen davon ab, dass auch Wildtiere ausreichend Platz und Rückzugsräume finden. Rücksichtnahme ist deshalb kein Verzicht, sondern ein aktiver Beitrag zum Erhalt unserer Bergwelt“, sagt Klaus Bliem.

Der Welttierschutztag erinnert daran, dass Menschen Verantwortung für die Mitgeschöpfe tragen. Für den Alpenverein Südtirol beginnt wirksamer Tierschutz bereits bei kleinen Entscheidungen auf jeder Wanderung und jeder Bergtour: Wege respektieren, Lärm vermeiden, Hunde an die Leine nehmen und sensible Lebensräume achten. So tragen alle Bergsportbegeisterten dazu bei, dass die Alpen auch künftig Heimat für eine vielfältige Tierwelt bleiben.

Rothirsch bei der Brunft © Klaus Bliem; Rotwildrudel im Vinschgau © Reinhard Haller