Gletscherlandschaft am Aufstieg zur Birnlücke © AVS Sand in Taufers
Die AVS-Sektion Sand in Taufers organisierte eine 2-tägige Überschreitungstour (15.-16.09.) mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und plant schon Ähnliches fürs kommende Jahr.
Von Michaela Zössmair (AVS-Wanderführerin), Helene Oberparleiter (AVS-Wanderführerin in Ausbildung), Christian Lamprecht (Tourenleiter) – Sektion Sand in Taufers
Nun rückt der Termin näher und die Wetterlage ist unsicher…Kurzentschlossen legen wir den Termin um einen Tag vor und so können wir bei schönstem Wetter aufbrechen. Wir nehmen den Bus Linie 450, der halbstündlich von Bruneck bis Kasern fährt. Dort an der Endhaltestelle beginnt unser Marsch. Damit wir uns nach der ersten Stunde Gehzeit stärken können, sperrt die Tauern Alm heute für uns früher auf. Dann steigen wir höher und höher und die Sonne auch: Sie hat von ihrer sommerlichen Kraft noch nichts verloren. Der Weg ist großteils mit Steinen gepflastert, ein uralter und wichtiger Übergang, den schon viele Bauern, Hirten, Handwerker, Schmuggler, Händler und Flüchtlinge benutzt haben.
Etwas unterhalb vom Übergang Krimmler Tauern kommt eine Kuhherde von oben herab. Mensch und Tier haben den Sommer auf der Innerkees Alm im Krimmler Achental verbracht und kehren einige Tage früher heim, um dem Schlechtwetter auszuweichen. Schnaps und Topfnudeln werden aus dem Rucksack hervorgeholt und uns zur Stärkung gereicht. Beeindruckt von der Leistung dieser Menschen steigen wir höher und erreichen schon vor Mittag den Übergang. Motiviert und gutgelaunt besteigen wir gleich noch den nahen Schientalkopf auf 2.774 m Meereshöhe.
Am Gipfel lassen wir uns das Rucksackmenü schmecken. Die Sicht ist heute besonders klar und reicht vom Großvenediger bis zum Ortler, inmitten vieler anderer Berge und Gletscher. Gestärkt steigen wir ab, hinunter in das lange Windbachtal. Gleichmäßigen Schrittes bringen wir die restlichen Kilometer hinter uns und erreichen müde und glücklich das Krimmler Tauernhaus, wo das geräumige und gemütliche Bettenlager, aber zuerst noch die Sauna und ein wunderbares Abendessen auf uns wartet.
Am nächsten Morgen freuen wir uns über das schmackhafte Frühstück und brechen dann auf. Tourenleiter Christian Lamprecht begleitet die Gruppe auch heute und so können wir den Rückweg über die Birnlücke gehen. Der erste Wegabschnitt führt fast eben hinein bis zu den Moränen einstiger mächtiger Gletscher. Nach der Innerkees Alm beginnt der erst gemütliche, später dann steile und lange Anstieg bis zur Birnlücke auf 2.669 m Meereshöhe. Hier findet sich wieder ein feines Plätzchen für unsere Mittagsrast und von hier aus sehen wir einen Teil vom gestrigen Wegverlauf und auch den Schientalkopf. Und wieder haben wir wunderbare Fernsicht. Unterhalb der nahen Dreiherrenspitze auf rund 2.500 m Meereshöhe entspringt im Naturpark Rieserferner-Ahrn die Ahr, die bei Bruneck in die Rienz mündet. Wir setzen unsere Wanderung fort, die Birnlückenhütte (2.441 m) ist bereits in Sicht und wir freuen uns auf die Einkehr. Bald tauchen erste Gespräche und Ideen für das “Ibogiehn” im nächsten Jahr auf…
Und wir setzen unseren Weg fort, bergab durch abwechslungsreiche Landschaft und irgendwann erreichen wir die Wegkreuzung, wo sich unser Rundwanderweg schließt. Und es wird uns bewusst, dass wir die nördlichsten Berge Südtirols, ja Italiens (einschließlich Klockerkarkopf) umrundet haben.
Zum Abschluss statten wir dem Heilig Geist Kirchlein einen Besuch ab, lobend und dankend für die zwei besonderen Wandertage und für die gute Rückkehr. Tourenleiter Christian erzählt uns von der alten Überlieferung, beim “Schliefstein” neben dem Kirchlein durchzugehen, denn da streift man alle Sünden ab.
Die Bushaltestelle von Kasern liegt jetzt nur mehr ca. 20 Minuten entfernt, sodass wir bald darauf in den Bus Richtung Bruneck steigen können.
Anforderungen für diese anspruchsvolle Rundwanderung:
- Tag: 7 h 20 min Gehzeit, 20 km und je 1.160 m im Auf- und Abstieg
- Tag: 6 h 35 min Gehzeit, 19,5 km und je 1.060 m im Auf- und Abstieg









