Unterwegs am Grenzkamm zwischen Pflersch und Gschnitz © Stefan Cappello AVS Bozen
An einem Wochenende im August besuchten wir die Berge am Pflerscher Grenzkamm, die sehr ursprünglich und nicht so sehr überlaufen sind. Durch ihre Höhe bieten sie einen schönen Rundblick über die Südtiroler Berge und die Stubaier Alpen.
Von Stefan Weis und Stefan Cappello, Tourenleiter AVS Bozen
Wir starteten mit dem Zug um 6.02 h von Bozen und fuhren bis Gossensass, wo wir auf den Bus umstiegen. Der Anstieg begann an der Bushaltestelle Ast im Pflerschtal (Linie 313 – Brenner/Pflersch-Gossensass-Sterzing) und führte uns über eine zerfallende Militärstraße und einen ehemaligen Militärsteig zum Portjoch (2.110 m). Ab hier folgte der immer schmaler werdende Steig dem langen und aussichtsreichen Rücken zum Südlichen und weiter zum Nördlichen Rosslauf. Der Steig war hier nicht mehr gut ausgeprägt, aber wir konnten den gut sichtbaren Markierungen folgen und hatten die Schwarze Wand, den Gschnitzer und Pflerscher Tribulaun immer vor uns.
Dabei durchquerten wir eine „Mondlandschaft“ aus Türmen und Gesteinsblöcken, die aussahen, als ob sie kurz vor dem Absturz wären. Nun wechselten wir in die nördliche, dem Gschnitztal zugewandte Seite der Schwarzen Wand. Es galt nun eine tiefe Scharte zu durchqueren. Über Bänder und Geröll ging es weiter nach Westen, wo wir schließlich die Schwarze Wand (2.917 m) erreichten. Nach einer wohlverdienten Stärkung stiegen wir über den charakteristischen schwarzen Stein dieses Gipfels (auch Eisengipfel genannt) und begannen anschließend den zum Teil mit Drahtseilen gesicherten Abstieg in die Schneetalscharte. Nach Durchquerung eines kurzen, seilgesicherten Grates, erreichten wir den Einstieg des Gschnitzer Tribulauns (2.945 m). Auch diesen erklommen wir am ersten Tag trotz der vielen zurückgelegten Höhenmeter. Am Gipfel sahen wir unser heutiges Ziel, die österreichische (Gschnitzer) Tribulaunhütte, die wir in lockeren Schritten durch die Schotterfelder sehr bald erreichten.
Nach kurzer Erfrischung gab es ein ausgiebiges Abendessen und die Besprechung des nächsten Tages. Müde legten wir und schließlich ins Lager. Die Hütte ist sehr gut bewirtschaftet und sehr empfehlenswert.
Am 2. Tag starteten wir nach sehr ausgiebigem Frühstück durch lange Schotterkare aufwärts. Nicht weit von uns entfernt „weidete“ eine große Gruppe Steinböcke, die sich von uns keineswegs stören ließ. Der weitere Weg führte uns auf die Pflerscher Scharte (2.599 m), von welcher wir die Südtiroler Tribulaunhütte mit ihrem schön gelegenen See erblickten. Wir querten unterhalb des Pflerscher Pinggls zum Hohen Zahn (2.924 m) und stiegen dann weiter zur Weißwand (3.016 m) auf, wo uns leider Nebel ein wenig die Sicht versperrte. Nun stiegen wir ab und peilten die Magdeburger Hütte an. Nach kurzer Einkehr und Rast machten wir uns auf den Weg ins Tal nach St. Anton/Innerpflersch, wo wir mit zunächst dem Bus nach Gossensass und dann mit dem Zug nach Bozen zurückfuhren.
Diese Bergtour hatte es wegen der vielen Höhenmeter, besonders am ersten Tag, in sich. Durch das weitgehende Fehlen bewirtschafteter Alm- oder Schutzhütten bewegten wir uns zunächst in einer fast menschenleeren Gegend, wo wir die Ursprünglichkeit der Bergwelt erleben konnten.
Diese zwei Bergtage werden uns noch einige Zeit in guter Erinnerung bleiben – wir waren eine homogene und sehr motivierte kleine Gruppe, was angesichts der Herausforderungen der Tour sicherlich von Vorteil war.
Weitere Infos
Tag 1: Portjoch (2.110 m), Südl.+ Nördl.Rosslauf (2.378 bzw. 2.881 m), Schwarze Wand (2.917 m), Gschnitzer Tribulaun (2.945 m), Übernachtung Gschnitzer Tribulaunhütte (2.064 m); 12,7 km, ca. 1.250 Hm im Aufstieg und 950 Hm im Abstieg
Tag 2: Hoher Zahn (2.924 m), Weißwand (3.016 m), Magdeburger Hütte (2.423 m), Pflersch; 14,9 km, 1.120 Hm im Aufstieg und 1935 Hm im Abstieg
Ausgangspunkt: Haltestelle Abzweigung Ast im Pflerschtal. Endpunkt: Haltestelle St. Anton/Innerpflersch
Hinweis: Klettersteigausrüstung erforderlich (Schwierigkeit B, kurze Stellen mit C)








