Entkopplungssystem in Meran © Stefan Steinegger

Selbstsicherungs-Geräte haben das Klettern in den vergangenen Jahren einfacher und flexibler gemacht: Klettern ohne Sicherungspartner wird möglich. Allerdings zeigen schwere Unfälle im In- und Ausland, dass die Nutzung von Autobelay- Systemen besondere Aufmerksamkeit erfordert. Der AVS setzt deshalb eine einheitliche Präventionsmaßnahme um, welche in den vereinseigenen Kletterhallen eingesetzt werden soll; zugleich startet eine Sensibilisierungskampagne.

Während beim Klettern mit Partner ein gegenseitiger Partnercheck selbstverständlich ist, entfällt diese wichtige Kontrollinstanz bei der Nutzung von Autobelay-Geräten. Wer alleine klettert, trägt die Verantwortung selbst. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit kann dabei schwerwiegende Folgen haben. Die Ursache von Unfällen beim Autobelay-Klettern ist immer wieder dieselbe: Kletternde starten eine Route, ohne sich zuvor in das Autobelay-System eingehängt zu haben.

Plane am Boden: Autobelay in Verwendung © Michele Franciotta

Der Alpenverein Südtirolreagiert auf diese Entwicklung und setzt in seinen Kletterhallen umfassende Präventionsmaßnahmen, sprich, ein Entkoppelungssystem als Einstiegsbarriere, um. Die Entwicklung dieses Systems wurde finanziell von der Stiftung Südtiroler Sparkasse unterstützt. Die Kletterhallen Rockarena Meran und Sticklä in St. Pankraz sind die ersten Anlagen, in denen die neuen Sicherheitsstandards bereits eingeführt wurden. Auch die Kletterhalle Salewa Cube hat das System installiert und alle vier Autobelay-Linien mit den Einstiegsbarrieren ausgestattet.  Bis September sollen die Maßnahmen in allen AVS-Kletterhallen umgesetzt sein.

Hintergrund ist auch eine neue Norm, die in Kürze in Kraft tritt. Sie bestätigt, was bereits seit Jahren in den Benutzerhandbüchern der Gerätehersteller festgeschrieben ist: Betreiber von Kletterhallen sind verpflichtet, alle Nutzerinnen und Nutzer in die korrekte Verwendung der Autobelay-Geräte einzuweisen. Nach schweren und tödlichen Unfällen in Italien wurden bereits Hallenbetreiber strafrechtlich belangt. Für den AVS ist deshalb klar: Sicherheitsarbeit bedeutet nicht nur Unfallprävention, sondern auch Schutz der zahlreichen ehrenamtlichen Betreiberinnen und Betreiber, die sich täglich für den Klettersport engagieren.

sorgfältiges Ein- und Aushängen © Michele Franciotta

Künftig muss sich daher jede Person, die Autobelay-Geräte nutzen möchte, einmal einschulen lassen. Zu diesem Zweck wurde ein Lehrvideo erstellt, das die korrekte Benutzung der Systeme erklärt und auf die wichtigsten Sicherheitsaspekte hinweist. Nach Abschluss der Einschulung wird an der Kassa mit einer Unterschrift bestätigt, dass die Einweisung erfolgt ist. Damit wird die notwendige Dokumentation erbracht und gleichzeitig sichergestellt, dass alle Nutzerinnen und Nutzer über die Risiken und ihre Eigenverantwortung informiert sind.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die technische Absicherung der Autobelay-Linien. An den entsprechenden Routen werden spezielle Einstiegsbarrieren montiert. Diese verhindern, dass eine Route betreten und beklettert werden kann, ohne zuvor den vorgeschriebenen Ablauf durchzuführen. Erst nach erfolgreicher Einschulung erhält die Nutzerin bzw. der Nutzer einen persönlichen RFID-Zugang (kontaktlose Datenübertragung, ähnlich Automaten im Skibetrieb). Mit diesem kann die Einstiegsbarriere freigeschaltet werden.

Entkopplung mittels RFID-Armband © Michele Franciotta

Möglich wird dies durch die vom AVS entwickelte Kletterhallensoftware ClimbOffice, die bereits in den vereinseigenen Hallen eingesetzt wird und nun gezielt für die Anforderungen der Autobelay-Systeme weiterentwickelt wurde. Durch die Kombination aus Einschulung, persönlicher Registrierung und RFID-Freischaltung wird verhindert, dass minderjährige oder nicht geschulte Personen die Autobelay-Linien nutzen. Die Maßnahmen schaffen somit deutlich mehr Sicherheit und ermöglichen gleichzeitig eine einfache und benutzerfreundliche Handhabung.

Mit der Einschulung der Kletternden, der technischen Absicherung der Anlagen und dem Schutz der Betreiber setzt der AVS ein umfassendes Sicherheitskonzept um. Ziel ist es, vermeidbare Unfälle zu verhindern und das Bewusstsein für die Eigenverantwortung beim Klettern mit Autobelay-Geräten zu stärken.

Probleme eigenverantwortlich erkennen © Michele Franciotta

Autobelay ist kein Sicherungspartner, du trägst selbst die Verantwortung!
Führe vor jedem Start einen Selbstcheck durch!