Hochtour mit Öffis zum Zerminiger; Gipfelfoto © Stefan Cappello AVS Bozen
Die AVS-Sektion Bozen unternahm am 20. Juni eine lange erlebnisreiche Tour in einsamer Berglandschaft. Schöne Gipfelpanoramen und eine Bartgeiersichtung waren die Höhepunkte dieser Öffi-Hochtour.
Von Stefan Weis und Stefan Cappello, Tourenleiter AVS Bozen
Mit frühem Start bei schönem Wetter und nur geringer Gewitterwahrscheinlichkeit am Nachmittag starten wir zu dieser Tour. Ausgangspunkt ist Karthaus im Schnalstal, ein Dorf, das seinen Ursprung in einem Karthäuserkloster hat, welches im 19. Jahrhundert wieder aufgelöst wurde.
Nach Anfahrt mit Zug und Bus machen wir uns auf ins ursprüngliche und einsame Hochtal Penaud, ein parallel zum Vinschgau verlaufendes Seitental des Schnalstals. Anfangs folgen wir dem Steig und Weg durch lichten Lärchenwald mit wechselnder Blumenpracht und erreichen über eine Almstraße die wieder bewirtschaftete Penauder Alm auf 2.323 m Meereshöhe. Im weiteren Aufstieg wechseln weitläufige Ebenen mit kurzen Hängen. Wir erreichen die Abzweigung zur Vermoispitze und jene zum Niederjoch. Hier verlassen wir den markierten Steig und wandern über karge Almböden, vorbei an den kleinen Penauder Seen, höher. Der Schnee muss hier oben erst vor kurzem geschmolzen sein, denn die rosa leuchtenden Soldanellen bedecken ganze Hänge und Mulden. Vor Erreichen des Zerminigersees können wir die langsam verfallenden Stützmauern des Goldrainer Jochwaales bewundern, der leider schon lange nicht mehr genutzt werden kann. Die ehemals ganzjährig vorhandenen Schneefelder sind der Klimaerwärmung zum Opfer gefallen.
Nun wird der weitere Weg über den Süd-Ostgrat sichtbar, der manchmal an der linken Seite umgangen werden muss, aber für trittsichere Bergsteiger:innen gut begehbar ist.
Nach fast 5 Stunden Aufstieg erreichen wir den Gipfel (3.109 m), der mit einem von der Schlanderser Berufsschule gefertigten Kreuz geschmückt ist.
Nach kurzer Rast und Erholung und Bestimmung einiger der zahllosen Gipfel am Horizont, beginnen wir den Abstieg zum „Kleinen Zerminiger“, auf welchem ein schönes Inox-Kreuz steht. Anschließend überschreiten wir im Auf und Ab Roßkopf und Niederjoch und queren die Bergflanke. Nach steilem Abstieg erreichen wir übers St.Martin Alpl schließlich St.Martin im Kofel. Mit der Seilbahn geht es hinunter nach Latsch und mit dem Zug zurück nach Bozen.
Besonderer Höhepunkt unserer Bergtour war ein Bartgeier, der während unseres Aufstieges immer wieder ober uns seine Kreise zog. Beim Abstieg an der Vinschgauer Seite konnten wir ihn beim Fressen eines im steilen Gelände verendeten oder gerissenen Schafes beobachten. Vielleicht fühlte er sich von uns bedroht, da wir in die Nähe seines „täglich Brots“ kamen.
Diese Bergtour war insgesamt sehr lang und es galt viele Höhenmeter zu bewältigen. Dank regelmäßiger Pausen und gleichmäßigem Schritt schafften alle Teilnehmer:innen diese Tour in fast unberührter Naturlandschaft problemlos – sie wird uns allen in guter Erinnerung bleiben.
Weitere Infos:
Anfahrt: Zug Bozen – Meran (Abfahrt: 06.33h), Bus Linie 261 Meran-Naturns-Schnalstal bis zur Haltestelle Karthaus
Rückfahrt: Seilbahn St. Martin i.Kofel-Latsch, Zug 250 bis Meran, Zug 200 bis Bozen
Höhenunterschied: ca. 1.900 Hm im Aufstieg, ca. 1.500 Hm im Abstieg
Gesamtgehzeit: 9-10 h











