„Das V. Element (V)“, Durrerspitze, Rieserfernergruppe
Erstbegehung der Route "Das V. Element" von Michael Kofler und Manuel Gietl
Im September 2025 erschlossen Michael Kofler und Manuel Gietl an der Durrerspitze die lange und gut abgesicherte Route „Das V. Element“. Laut den Erstbegehern hat die Tour das Potenzial, ein echter Klassiker zu werden.
Den ganzen Sommer über hatten wir bereits die Idee einer neuen Tour im Kopf. Unser Ziel ist es, eine leichtere, gut eingerichtete alpine Route in den Rieserfernern zu erschließen. Die Ostkante der Durrerspitze ist noch unberührtes Gelände, zeichnet aber eine logische Linie bis zum Gipfel.
Schlechtes Wetter, andere Projekte und Verpflichtungen kamen uns immer wieder dazwischen. So war der Herbst bereits ins Land gezogen. Die Gipfel bereits das erste Mal angezuckert.
Die vorhergesagten warmen Temperaturen lassen es zu, unser Projekt doch noch anzugehen, denn wir wissen, dass man dort oben bei sonnigem Wetter sehr lange klettern kann. Nur mit Nägeln wollen wir die Tour absichern. Angesichts einer 500-Meter-Wand entscheiden wir uns aus ökonomischen Gründen, die Stände mit Bohrhaken einzurichten. So stehen wir also Anfang September am Einstiegsriss der Kante im Schnee.
Die Sonne scheint, die Wand ist trocken. Wir haben beide ein lächeln im Gesicht. Wie schwer dieser Riss wohl sein Mag, denke ich laut, während ich das Material an meinen Gurt hänge. „Nicht schwerer als V!“ entgegnet mir Manuel und lacht…
Ich steige ein…
Tatsächlich der Riss ist wunderbar zu klettern und lässt sich super absichern.
Auch Haken lassen sich gut schlagen. „Stand!!!“ rufe ich bald meinem Seilpartner nach unten… So kann es weiter gehen! Nach einer leichteren Seillänge, stehen wir wieder vor einer steilen Wand. Wieder Fragezeichen… „Wie schwer wird das jetzt???
„Mehr wie V kann’s nicht sein“ sagen wir uns und lachen… Und wieder finden wir einen Weg durch das Risssystem, der den V. Grad nicht übersteigt. Dieses Mantra begleitet uns von nun an immer weiter bergauf und der Klettergott meinte es gut mit uns. So schaffen wir es am 1. Tag bis kurz unter den Sattel, der die Durrerspitze mit einem breiten Graben teilt. Feierabend!
Bereits 2 Wochen später erlauben es die Bedingungen wieder zur Durrerspitze aufzusteigen. Am Umkehrpunkt vom vom letzten Mal gelangen wir über eine Bilderbuch Kante zum Sattel. Ein drittel der Tour liegt noch vor uns. Nach kurzer Liniensuche, finden wir uns auf einem grasigem Band wieder, dass getrost als „Fußballplatz“ in der Wand bezeichnet werden kann. Von hier ziehen steile Risse vertikal nach oben. „So sehen V-er Längen aus…“ scherze ich. Doch unsere Glückssträhne reist nicht ab, und so stehen wir bald darauf auf dem Gipfel der Durrerspitze.
Nach 500 Klettermetern, im V-Grad, im feinsten Tonailt.
Wir sind in unserem Element, dem V. Element!
Routeninformationen
„Das V. Element“
Erstbegeher: Michael Kofler & Manuel Gietl (09-2025)
Schwierigkeit: V
Länge: 500m
Seillängen: 17
Felsart: Tonalit
Ausrüstung: NAA, 60m Einfachseil / Halbseile, Sortiment Friends (mittlere doppelt)
Charakter: Lange, abwechslungsreiche Kletterei im Rieserferner-Tonalit mit alpinen Flair, ohne den V. Grad zu überschreiten. Die Route führt entlang von Rissen, Graten und originellen Wandstellen. Standplätze sind mit Bohrhaken ausgestattet, während Haken und Schlingen als Zwischensicherungen den Weg weisen. Die klassische Absicherung gibt genügend Freiraum um mobile Sicherungen zu legen. Deshalb sollte ein gut sortiertes Set Friends am Gurt nicht fehlen.
Zustieg: Vom Antholzer See Weg Nr. 39 Richtung Riepenscharte folgen. Auf ca. 2600m den Weg nach links verlassen und zur rechten Kante der Durrerspitze. Einstieg direkt an der Kante am markantem Riss.
(ca. 1h45min, 1000hm)
Abstieg: Vom Gipfel entlang der Aufstiegsroute abseilen (60m Seil).
Alternativ über die Route Facelift (Achtung 70m Seil bzw. Doppelseile notwendig!)
Ab dem großen Graben orographisch rechts absteigen.










