Tourenleiterausbildung © AVS

6 Frauen, 14 Männer, 20 Lebensgeschichten - ein gemeinsames Ziel: Sie alle konnten im Sommer 2021 die Ausbildung zur Tourenleiter*in erfolgreich abschließen. Die Teilnehmer*innen blicken auf insgesamt 21 Tage Ausbildung zurück, bei denen sie Winter wie Sommer gemeinsam viel erlebten und lernen konnten.

Nachdem wir die drei Basismodule absolviert haben, beginnt im hinteren Passeiertal das Winterprogramm mit der Ausbildung zum „Gruppenleiter Schnee“. Bereits die Anreise ist ein Erlebnis. Meterhohe Schneewände säumen die Straße. Die Vorfreude auf fünf Tage inmitten einer wunderschönen Winterlandschaft steigt. Es werden die ersten gemeinsamen Tage sein. Wie wird sich jeder in der Gruppe zurechtfinden? Werden sich alle einbringen können? Wie werden wir uns verstehen?  Die Anspannung ist spürbar.

Eines sei aber gleich vorweggenommen: Beim letzten Lehrgang „Aufstiegskurs zum Tourenleiter“, auf der Müllerhütte, nach insgesamt 21 Tagen gemeinsamer Ausbildung, wird von Anspannung nichts mehr zu spüren sein. Wir sind ein Team.

 

Respekt lernen im Schnee

Aber der Reihe nach: Nach einer kurzen Vorstellungsrunde in unserer Unterkunft geht es gleich ins Gelände. „Learning by doing“: Übungen mit der Sicherheitsausrüstung, die Planung einer Ski- oder Schneeschuhtour, das Studium der Wetterlage und des Lawinenlageberichts, Orientierung im Nebel, das Ziehen der perfekten Spur, Materialkunde und immer wieder wertvolle Tipps und Erfahrungsberichte von unseren Ausbildnern, den Berg- und Skiführern. Intensive und lehrreiche Tage.

Am Abend verwöhnt und umsorgt uns die Gastgeberfamilie mit Freundlichkeit und feinstem Essen. Es fehlt uns an nichts. Am Ende der fünf Tage sind wir um einiges reicher. Wir konnten vieles lernen, üben und anwenden. Und wir haben Respekt vor dieser neuen Aufgabe.

Beim Wintermodul "Gruppenleiter Schnee" © Ulrich Veith

Die Dynamik in der Gruppe habe ich als sehr angenehm empfunden. Wir haben uns gegenseitig gefordert, aufgebaut und unterstützt. So konnten wir das angestrebte Ziel gemeinsam erreichen.

Beim Felsmodul "Gruppenleiter Fels & Klettersteig" © Ulrich Veith

Üben am Fels

Im Frühjahr geht es an den Felsen. In Arco erwartet uns ein intensives Programm. Der Schwerpunkt der zwei Tage liegt auf den Grundlagen des Begleitens bei einfachen Mehrseillängen und auf Klettersteigen. Die Material- und Knotenkunde nimmt dabei einen bedeutenden Teil ein. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und so bleibt uns bis zum nächsten Kurs auf der Rotwandhütte Zeit zum Üben. Zuhause, mit Kollegen*innen, mit Seilpartner*innen.

Auf der Rotwandhütte wird alles noch einmal vertieft. Anschließend werden bei den Touren die gelernten Grundlagen beim Klettern und im Klettersteig praktiziert.

 

Begleiten im Eis

Die Sommergrundausbildung Eis ist der nächste Schritt für uns angehende Tourenleiter*innen. Das Begleiten einer Hochtour ist mit alpinistischen Fähigkeiten verbunden und stellt einen komplexen Bereich dar. Die nötige Erfahrung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die zwei Tage auf der Martellerhütte dienen als Vorbereitung zum Aufstiegskurs Tourenleiter. Es erwarten uns Inhalte wie Seiltechnik auf dem Gletscher und auf dem Grat, Spaltenbergung und Standplatzbau. Mit vielen neuen Impulsen und reichlich Übungsmaterial beenden wir diesen Teil und bereiten uns voller Vorfreude auf die letzten Kurstage auf der Müllerhütte vor.

Beim Modul "Sommergrundausbildung Eis" © Anna Lena Wolf

Wir haben uns zu einer starken Gruppe entwickelt und die Freude über die gemeinsam absolvierte Ausbildung ist spürbar. Gleichzeitig wird diese Freude von Wehmut, etwas Schönes beenden zu müssen, begleitet. Aber wir wissen, dass „es etwas Großes ist, das uns Tourenleiter*innen miteinander verbindet: Die Berge!

Ein Team zum Abschluss

Das Absolvieren der vorhergehenden Kurse ist Voraussetzung für den fünftägigen Intensivkurs auf der Müllerhütte. Dass von uns Teilnehmer*innen nun das bisher Gelernte gefordert wird, spüren wir bereits beim Aufstieg auf die Müllerhütte vom Stubaital aus. Die Bergführer begleiten uns und stehen uns hilfreich zur Seite, auch eigenständige Entscheidungen sind zu treffen und Seiltechniken richtig anzuwenden. Bei der Spaltenbergung werden wir genau beobachtet und unsere Fähigkeiten beurteilt. Doch neben den Übungen und dem Leiten von Touren bleibt genügend Zeit für Geselligkeit und lustiges Beisammensein.

Die letzten 5 Tage der Tourenleiterausbildung auf der Müllerhütte © Sebastian Ostermayer

Gestärktes Selbstverständnis

Wir Tourenleiter*innen organisieren Touren in der Sektion oder der Ortsgruppe und begleiten die Teilnehmer*innen. Gerne sind wir bereit, Verantwortung für die Gruppe zu übernehmen. Wir kennen aber auch unsere Grenzen. Die Abgrenzung zur Arbeit der Berg- und Skiführer*innen ist uns sehr wichtig. Aus diesem Grund sehen wir es als unsere Aufgabe an, auch einmal selbstbewusst „Nein“ zu sagen. Für bestimmte Touren sollen Vereinsmitglieder auch in Zukunft eine Berg- und Skiführer*in buchen.

Die Qualität der Ausbildung zur Tourenleiter*in schätzen wir sehr hoch ein. Die Leitung durch Berg- und Skiführer*innen ist dabei unumgänglich. Sie waren jederzeit bereit, ihr Wissen und ihr Können an uns weiterzugeben. Wir profitieren von ihren Erfahrungen und wertvolle Ratschläge ermöglichen es, unser Wissen zu festigen und Neues zu lernen.

Abschließend wollen wir der Landesgeschäftsstelle, unseren Sektionen und Ortsstellen und besonders unseren Bergführern unseren Dank aussprechen.

 

Ulrich Veith und Sarah Engl

Es ist ein Privileg, diese hochwertige Ausbildung zum Tourenleiter machen zu dürfen. Ich bin dem Alpenverein Südtirol sehr dankbar.

Beim Wintermodul "Gruppenleiter Schnee" © Ulrich Veith
Beim Wintermodul "Gruppenleiter Schnee" © Ulrich Veith
Beim Felsmodul "Gruppenleiter Fels & Klettersteig" © Ulrich Veith
Die letzten 5 Tage der Tourenleiterausbildung auf der Müllerhütte © Stefan Schwienbacher
Die letzten 5 Tage der Tourenleiterausbildung auf der Müllerhütte © Ulrich Veith
Die letzten 5 Tage der Tourenleiterausbildung auf der Müllerhütte © Josef Rabanser