Gebetsfahnen © Buddhi Maya Sherpa
Mit diesem Projekt fördert der AVS die Schulausbildung von Sherpa-Kindern und trägt damit zu deren Existenzsicherung bei. Jährlich werden bis zu zehn Kinder – vorzugsweise Mädchen – über unsere Gewährsperson in Nepal, Buddhi Maya Sherpa, unterstützt.
Schulausbildung für Sherpa-Mädchen
In Nepal gibt es keine Schulpflicht. Viele Familien können es sich nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Im Normalfall reicht das Geld höchstens für die Schulausbildung der Söhne. In den Bergregionen verschärft sich die Situation für die Familien, denn die Verdienstmöglichkeiten sind dort geringer als im städtischen Raum. An letzter Stelle wird deshalb meist in die Schulausbildung der Töchter investiert.
Mit diesem Projekt versuchen wir insbesondere den Sherpa-Mädchen zu helfen und ihnen den Besuch einer Schule zu ermöglichen.
Der zentrale Einsatz unserer Patenschaftsmittel fließt in die Schulausbildung. Diese besteht in Nepal aus einer 7 Jahre dauernden Grundstufe, der eine 3-jährige Mittelstufe und – im Ausnahmefall – eine mehrjährige Hochschule folgen können.
Selbstverständlich zählt aber auch das allgemeine Wohlergehen der Familien zum Inhalt unseres Spendeneinsatzes, worauf wir im Rechenschaftsbericht gegebenenfalls speziell hinweisen.
Die Übergabe der Geldmittel erfolgt durch Buddhi Maya direkt an die Eltern bzw. an die Erziehungsberechtigten.
”Eine Schulausbildung ist der Grundstein für eine sichere und unabhängige Zukunft "unserer" Patenkinder in Nepal. Um dieses Ziel zu erreichen, benötigen wir die Mithilfe unserer Mitglieder.
Peter RighiReferatsleiter für Kultur
Wie kann man helfen?
Der AVS sorgt gemeinsam mit Buddhi Maya Sherpa für einen unbürokratischen und effizienten Einsatz eurer Mittel.
Unterstützen könnt ihr das Projekt entweder durch pauschale oder auch regelmäßige Patenschaftsbeiträge. Die Patenschaftsmittel werden nicht namentlich auf ein bestimmtes Sherpa-Kind, sondern nach Bedarf zugewiesen.
Über den Einsatz der Mittel und die ausgewählten Kinder berichten wir regelmäßig auf dieser Seite.
Die Bankverbindung:
„Schulausbildung fuer Sherpa-Maedchen“
Raiffeisenkasse Bozen, Filiale Rathausplatz
IBAN: IT70 B 08081 11600 000305003601
SWIFT-BIC: RZSBIT21003
Spendenbestätigungen werden nach Anfrage einmal jährlich und ab einem Mindestbetrag von 100,00 € pro Jahr ausgestellt.
Buddhi Maya
Buddhi Maya ist Tochter eines nepalesischen Bergführers und Sherpas (Sherpa bedeutet nicht „Träger“, wie viele glauben, sondern es ist der Name eines vor Jahrhunderten aus Tibet ausgewanderten Volksstammes und bedeutet „Volk aus dem Osten“).
Maya wurde 1969 geboren und wuchs in Zarok, unweit von Namche Bazar auf. Als kleines Mädchen hatte sie, im Gegensatz zu den meisten anderen Kindern ihres Dorfes, die Möglichkeit zum Besuch der Sir Edmund Hillary Grundschule, wobei sie jeden Tag einen 1,5 Stunden langen Marsch über einen 4000 m hohen Pass hin bewältigen musste! Rudi Postl, ein Höhenbergsteiger aus Österreich, der in den 70er Jahren (als Expeditionen für Europäer noch seltener und teurer waren) öfters in den Himalaja reiste und sich mit Mayas Vater anfreundete, lud Maya nach Österreich ein, um ihr dort eine Ausbildung zu ermöglichen und auf diese Weise der Familie zu helfen.
Maya kam im Alter von 17 Jahren zum ersten Mal nach Österreich. Dort absolvierte sie eine Ausbildung als Trekkingführerin und konnte sich bei ihrer Arbeit auf verschiedenen Schutzhütten das Grundwissen zur Führung eines eigenen Gastbetriebes aneignen.
Zurück in Nepal ging Maya daran, in Zarok selbst eine Gästeunterkunft zu erreichten – die „Sunshine-Lodge“. Gleichzeitig trat sie in die Fußstapfen ihres Vaters und wurde somit die erste nepalesische Trekkingführerin, was zu dieser Zeit noch sehr ungewöhnlich war.
Mittlerweile führt Maya ein Trekking-Unternehmen in Kathmandu, womit es ihr gelingt, die Bevölkerung ihres Heimatdorfes und dessen Umgebung mit Arbeit zu versorgen und somit am Unterhalt eines ganzen Gebietes beizutragen. Jährlich verbringt sie einige Monate in Österreich, den Rest des Jahres lebt sie in Nepal.
Kontakt
A-9020 Klagenfurt, Schumanngasse 14A
Festnetz: +43 4632 203 10 | Mobil: +43 664 333 1273
E-Mail: maya.sherpa@aon.at
Übrigens: Maya ist euch auch bei der Organisation einer Trekkingtour in Nepal behilflich.
”Buddhi Maya Sherpa ist durch ihre persönliche Entwicklung und als ehemaliges Patenkind für uns eine Garantin, dass die Geldmittel direkt und unbürokratisch für den bestimmten Zweck eingesetzt werden.
Renate BreitenbergerProjektberichterstatterin
Maya inmitten einiger ihrer/unserer Schulkinder (2019) © Buddhi Maya Sherpa
Die AVS-Patenkinder
Nachstehend findet ihr ein Kurzporträt unserer aktuell acht Patenkinder (2 Jungen, 6 Mädchen). Die Namen der Kinder werden hier aus Datenschutzgründen anonymisiert dargestellt.
Eine Kuriosität nebenbei: Sherpas werden nach dem Wochentag benannt, an dem sie geboren sind. Der Wochentag ist gleichzeitig der Name einer Gottheit, die mit einem Himmelskörper assoziiert wird. Der bzw. die Namensträger:in soll unter dem Schutz dieser Gottheit stehen, der Schutz wird bei jedem Gebrauch des Namens erneuert. Keiner dieser Namen hat eine geschlechtsspezifische Form. Es ist also nicht möglich, aus dem Namen das Geschlecht der Person abzulesen. Sonntag = Nyima (Sonne), Montag = Dawa (Mond), Dienstag = Mingma (Mars), Mittwoch = Lhakpa (Merkur), Donnerstag = Phurba (Jupiter), Freitag = Pasang (Venus), Samstag = Pemba (Saturn).
Übrigens: Die Europäer:innen leben im Jahr 2026, in Nepal ist heuer Kalenderjahr 2083. Die Nepales:innen feiern am 14. April den Beginn des neuen Jahres.
2025 ausgeschiedene Patenkinder
Im März 2025 wurden ein Mädchen und ein Junge aus der Patenschaft entlassen, da beide die 12. Schulstufe abgeschlossen haben.
M. C. (*14/11/2005 ♀): M.s Vater ist gelernter Bauarbeiter, die Mutter bewirtschaftet im Sommer einen Kartoffelacker. Da der Vater nur gelegentlich Bauaufträge erhielt, begann er als Trekking-Führer zu arbeiten. Da er aber nicht gut Englisch spricht und die Kunden deshalb nicht zufrieden sein könnten, wurde er nicht mehr eingestellt. Um die Familie finanziell zu unterstützen, hat Maya eine Patenschaft für die Tochter M. ermöglicht. M. war seit 2019 AVS-Patenkind und besuchte zuletzt die 12. Klasse des Reliance College in Chabahil, Kathmandu, die sie erfolgreich abgeschlossen hat.
T. N. (*20/03/2007 ♂): Pasang, der Vater des Jungen, stammt aus Zarok. Da die Renovierung des Hauses und das Leben in Namche finanziell nicht leistbar gewesen wären, zog er mit seiner Frau und den beiden Söhnen in eine Mietwohnung in Kathmandu. Seit 2018 begleitet Pasang als Sherpa Expeditionen auf Achttausender. Das Einkommen – eine Saison dauert vier Monate im Jahr – muss für den Rest des Jahres für Miete, Lebensmittel und andere Fixkosten reichen. Als Pasang Maya von seinen finanziellen Schwierigkeiten erzählte, ermöglichte sie einem seiner Söhne eine Patenschaft. T. N. war seit 2017 AVS-Patenkind und besuchte nach der Golden Peak High School Kathmandu die Nami International School in Gokarneshwor – Jorpati und beabsichtigt nun, ein Bachelor-Studium zu absolvieren. Die Familie hat mittlerweile die finanziellen Mittel, dieses selbst zu finanzieren.
2025 bestätigte Patenkinder
C. M. T. (*04/04/2008 ♂): Der Junge aus dem Langtang-Gebiet wurde durch das AVS-Mitglied Herbert Frei vermittelt, der die Familie vor vielen Jahren bei einer Trekkingtour kennengelernt hat. Als ein Erdbeben das Haus der Familie völlig zerstörte, wollte Herbert helfen und Chhowang eine Schulbildung ermöglichen. 2018 nahm Maya den Jungen als AVS-Patenkind auf. C. besuchte 2024 die 10. Klasse an der Kathmandu Valley Public School in Maharajgunj (Kathmandu). In diesem Schuljahr besucht er die 11. Klasse an der Joseph High School (College). Sobald er die 12. Klasse abgeschlossen hat, möchte er sich an der Hochschule für Computerwissenschaften (Computer Science College) einschreiben. C. ist sportlich sehr talentiert. Er nahm u. a. am nationalen Skiwettbewerb in Südkorea teil.
D. N. (*27/10/2008 ♀): D.s Mutter stammt aus Namche, ihr Vater aus Pangpoche. Die Familie lebt in Kathmandu. Der Vater ist gelegentlicher Trekkingführer, die Mutter zu Hause. Da sie das Geld für die Schulausbildung der Kinder nicht aufbringen können, bat die Mutter Maya um Unterstützung. So nahm Maya D., die jüngere von zwei Töchtern, als Patenkind auf. D. ist seit 2014 AVS-Patenkind und besucht in diesem Schuljahr die 11. Klasse an der Progressive Secondary School (High School) in Boudha, Kathmandu.
T. L. L. (*17/11/2009 ♀): T.s Großeltern zogen über den etwa 6.000 Meter hohen Pass Nangpa La nach Namche und ließen sich im Dorf Thamo nieder, wo auch Mayas Onkel lebt. Maya kennt die Familie bereits seit Jahrzehnten. Früher hatten sie einen kleinen Teeladen und verkauften Souvenirs, bis das Haus abgerissen, neu gebaut und von den Eigentümern selbst bewohnt wurde. Heute lebt die Familie in einer Mietwohnung in Namche. Um sie zu unterstützen, ermöglichte Maya T. eine Patenschaft. Das Mädchen ist seit 2015 AVS-Patenkind und besucht in diesem Schuljahr die 8. Klasse der Dharmashala Himanchal Pradesh Upper TCV School in Himanchal Pradesh in Indien.
D. P. (*27/10/2008 ♀): D.s Vater ist vor einigen Jahren gestorben. Ihre Mutter putzt und wäscht in verschiedenen Haushalten, verdient aber nur sehr wenig Geld und kann ihrer Tochter keine Ausbildung finanzieren. Maya hat sich daher bereit erklärt, für D. eine Patenschaft zu übernehmen. D., AVS-Patenkind seit 2020, besucht zurzeit die Prabhat Higher Secondary School in Lalitpur, der drittgrößten Stadt in Nepal.
S. K. (*07/07/2013 ♂): Seit ihr Haus beim Erdbeben 2015 eingestürzt ist, lebt die Familie (Mutter, Vater und zwei Söhne) in einer Art Garage in Kathmandu. Der Vater ist gelegentliche Hilfskraft, die Mutter ist zu Hause, sie leidet an Epilepsie. Maya war 2019 selbst vor Ort und hat gesehen, in welch ärmlichen Verhältnissen die Familie lebt. Daraufhin hat sie ihr finanzielle Unterstützung in Form einer Patenschaft angeboten. S., AVS-Patenkind seit 2020, ist von der Advance High School an die Supreme International School in Kathmandu gewechselt und besucht in diesem Schuljahr die 7. Klasse.
T. J. (*23/09/2018 ♀): Die Familie lebt in Thameteng (Khumbu Nepal) in sehr ärmlichen Verhältnissen. Da sie finanziell kaum über die Runden kommt, fragte der Vater bei Maya an, ob sie ein Schulstipendium bekommen könnten. So wurde das Mädchen 2023 dem AVS zugewiesen und besucht in diesem Schuljahr die erste Klasse an der Holy Academy (U.K.G.) in Kathmandu.
M. K. (*22/10/2013 ♀). Der Vater hat die Familie wegen einer anderen Frau verlassen und zahlt keinen Unterhalt. Somit ist die Mutter Alleinerzieherin. Sie lebte in Paare, gegenüber von Thamo in Khumbu und betrieb eine kleine Landwirtschaft. Da die Schule zu weit von ihrem Dorf entfernt liegt und sie sich um das Kind kümmern muss, bezog sie in Thame ein Zimmer. Im Jahr 2024 brach oberhalb von Thame einer der Gletscherseen aus. Das halbe Dorf wurde weggeschwemmt. Auch die Schule wurde vollständig zerstört. Auf dem vielen Sand und Geröll gibt es keinen festen Boden mehr. Deshalb kann die Schule nicht mehr an derselben Stelle aufgebaut werden. In Thameteng (Oberes Thame) wurde das Gemeindehaus zur Schule umfunktioniert, die auch M. nun besucht. Ihre Mutter hat inzwischen in Kathmandu eine Arbeit aufgenommen, um etwas Geld zu verdienen und ein selbstständiges Leben führen zu können. Die Patenschaft verbessert ihre finanzielle Lage und sichert M. eine Schulausbildung. Das Mädchen wurde 2023 als Patenkind aufgenommen und besucht in diesem Schuljahr die 6. Klasse (Thame Lower Secondary School).
2025 neu aufgenommene Patenkinder
M. L. (*21/07/2018): Das Mädchen stammt aus Thame (3.800 m). Ihre Mutter betreibt dort eine kleine Landwirtschaft, der Vater arbeitet in der Saison als Träger. 2024 kam es im Dorf Thame zu großen Hochwasserschäden. Oberhalb des Dorfes brach ein Gletschersee aus. Das Wasser riss 20 Häuser mit sich und beschädigte ein Dutzend weitere stark. Das Schulgebäude liegt in Schutt und Geröll und muss an einem anderen Standort errichtet werden. Die Kinder werden vorübergehend im Gemeindehaus im Nachbardorf unterrichtet.
Aus dem Leben eines ehemaligen AVS-Patenkindes
Das ehemalige AVS-Patenmädchen P. Y. hat im Frühling ihr Bachelor-Studium abgeschlossen. P.s Vater führte früher einen kleinen Shop mit Landkarten, Postkarten und Guide-Bücher, ihre Mutter verkaufte neben dem Markt Tee und Jausen. Das Paar hatte große finanzielle Schwierigkeiten und es war ihnen kaum möglich, die Mieten zu bezahlen oder gar beide Kinder in die Schule zu schicken. So wurde P. als Patenkind des AVS aufgenommen. Sie besuchte die Volksschule in Namche, die Mittelschule und das College in Kathmandu. Nach dem Abschluss der 12. Schulstufe wurde sie aus der Patenschaft entlassen. Dank dem Tourismus lief das Geschäft ihrer Eltern gut und es konnte sogar vergrößert werden. So war die Familie in der Lage, das weiterführende Studium der Tochter selbst zu bezahlen. P. gab nebenbei anderen Kindern Nachhilfeunterricht. Sie ist stolz auf ihren Erfolg und ist ihren Eltern und dem AVS von Herzen dankbar.
Im ständigen Austausch mit Buddhi Maya ausgearbeitet und zusammengefasst von Renate Breitenberger.
Wie gestaltet sich die Ausbildung der Sherpakinder?
Aufbau und Organisation des Schulsystems
Das Schuljahr startet um den 20. April und endet Mitte März. Aufgrund der Hindufeste Dashain und Diwali sowie weiterer Feiertage sind im Oktober – je nach Schule – 20 bis 30 Tage lang Ferien.
Im Kindergarten (class nursury) werden die Kinder drei Jahre lang ganztägig betreut, verpflegt und auf die Schule vorbereitet. Bei Schuleintritt können sie bis 100 zählen und einfache Sätze lesen und schreiben. In Kathmandu kostet ein Kindergartenjahr rund 500 Euro, im Dorf etwas weniger. Maya unterstützt auch die Familien im Dorf mit 500 Euro, um sicherzustellen, dass jedes Schulkind gut versorgt ist und die Familie ihren Alltag leichter bewältigen kann.
Die Grundschule (Primary School) und die Mittelschule (Secondary School) dauern jeweils fünf Jahre. Im Dorf beginnt der Unterricht um 10.00 Uhr (wegen langer Fußwege) und endet um 16.00 Uhr. Von 13.00 bis 13.30 Uhr ist Mittagspause. Freitagnachmittag und Samstag ist schulfrei.
Schulgebühren
Die Schulgebühren variieren je nach Internat/Tagesschule und staatlicher/privater Träger. Für Tagesschulen in Kathmandu reichen 500 Euro pro Jahr. Internate dagegen kosten bis zu 1.000 Euro. In diesem Fall deckt das AVS-Patengeld (500 Euro) einen Teil ab, den Rest finanziert die Familie selbst.
Schulabschluss
In der 10. Klasse absolvieren die Schüler eine Abschlussprüfung. Bis das Prüfungsergebnis feststeht, vergeht meistens ein Jahr. Einige Schüler besuchen in der Zwischenzeit Kurse oder helfen zuhause. Bestehen sie die Prüfung, haben sie die Möglichkeit, ein dreijähriges College zu besuchen und anschließend einen Beruf zu erlernen oder an einer Universität zu studieren. Mayas Ziel: Die Kinder sollten mindestens die Mittelschule abschließen und – wenn möglich – auch das College in Kathmandu besuchen.
Manche Kinder werden von klein auf mit einer Patenschaft unterstützt, andere werden mitten in der Schulausbildung aufgenommen, weil die Eltern die Schulausbildung nicht mehr finanzieren können und das Kind die Schule abbrechen müsste. Die AVS-Patenkinder werden maximal zwölf Jahre lang unterstützt, sie erhalten also bis zu zwölf Mal eine Förderung. Mädchen haben Vorrang.
Übergabe des Schulgeldes
Maya bzw. ihre Schwester (Mingma) übergeben das Geld persönlich den Müttern – mit dem Auflage, ihr Kind in die Schule zu schicken. Dass vor allem Frauen das Schulgeld verwalten, hat gute Gründe: Manche Väter sind bei einer Expedition gestorben, manche haben die Familie verlassen und das Ersparte mitgenommen, andere haben Alkoholprobleme oder bringen trotz Arbeit aus verschiedensten Gründen kein Geld nach Hause.
Alltagskultur & Werte
Im Kindergarten und in der Schule wird den Kindern die Sherpa-Tradition (Bräuche und Alltagskultur) weitergegeben. Kinder lernen auch, im Haus bis zum nächsten Samstagsmarkt mit Vorräten hauszuhalten. „Dorfkinder sind schlau, sie wissen sich zu helfen“, sagt Buddhi Maya. „Ein Achtjähriger kann bereits zu einem stundenlangen Fußmarsch aufbrechen, um Milch beim Bauern zu holen. Stadtkinder sind unbeholfener.“
Sich um alte und junge Menschen kümmern, sich gegenseitig respektieren, einander helfen, ein aufrichtiger, ehrlicher Mensch sein: Diese Werte sind den Sherpas wichtig. Die Ältesten haben in der Familie das Sagen, Ältere kümmern sich wie selbstverständlich um Jüngere.
Im Dorf wird die Alltagskultur der Sherpa intensiver gelebt als in den Städten. Mit der Abwanderung junger Familien aus den Dörfern ist auch die Sherpakultur mehr und mehr verloren gegangen. Während der Coronapandemie sind viele Familien wieder zurück aufs Land gezogen und haben dadurch auch die Landwirtschaft wiederbelebt.



