Die höchstgelgene AVS-Schutzhütte, die Rieserfernerhütte, muss mit Wasserressourcen besonders sorgsam umgehen. © Michl Vonmetz

Nicht nur im Tal, auch in der Höhe ist Wassersparen aufgrund der hohen Temperaturen und des Niederschlagsmangels angesagt.

Bozen, 4. August 2026

Von den AVS-Hütten ist vor allem die Rieserfernerhütte betroffen; die Niederschläge von Anfang August haben das Problem vorerst abgemildert. Der AVS ruft Wanderer:innen zu Verständnis auf und appelliert an alle, umsichtig und sparsam mit Trinkwasser umzugehen.

Viele Schutzhütten verfügen über einen Zugang zu einer eigenen Trinkwasserquelle mit Wasserspeicher, sie sind aber nicht an das öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen. Fehlen Niederschläge, fehlt auf der Hütte das Trinkwasser – die Auswirkungen sind unmittelbar.

Bereits im Juni 2022 berichteten Hüttenwirte in Südtirol von einer ungewöhnlich angespannten Situation, auch heuer könnte sich diese wiederholen. Auf mehreren Hütten wurden damals die Toiletten für Tagesgäste gesperrt, das Duschen eingeschränkt, teilweise musste es untersagt werden, Zähneputzen war teilweise nur mit mitgebrachtem Flaschenwasser möglich, die Stromproduktion aus Kleinwasserkraftwerken ging zurück. „Heutzutage gibt es technische Möglichkeiten, auf welche bei ausreichend Verfügbarkeit von Geld und im Falle von Sanierungsarbeiten auch zurückgegriffen wird. Auf Hütten können Trockenurinale oder Trockentoiletten eingebaut werden bzw. Grauwasser sinnvoll genutzt werden“, sagt Martin Knapp, Leiter des Referats Hütten und Wege des Alpenvereins Südtirol.  Auf den AVS-Hütten gibt es derzeit noch keine solche Anlagen – für die neu zu errichtende Europahütte (Land ist Eigentümer) sind Trockentoiletten geplant. Genau geplant werden muss der Wasserverbrauch auf der AVS-Rieserfernerhütte. Vom eigentlich wasserreichen Einzugsgebiet können lediglich oberflächennahe Wasserreserven gespeichert und genutzt werden. In Trockenphasen hat ein Wassermangel rasch Auswirkungen – die Niederschläge Anfang August haben das heurige Problem der Rieserfernerhütte vorerst abgemildert.

Im Jahr 2022 sind Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Wasserressourcen auf alpinen Schutzhütten (HaWalpS) veröffentlicht worden. Sie sind das Ergebnis von Studien mehrerer Alpenvereine und mehrerer Forschungsinstitute. Darin wird – ausgehend von den Folgen des Klimawandels – ein umfassender Katalog mit Empfehlungen für die Bedarfserhebung, Planung, Umsetzung und Qualitätssicherung der Wasserversorgung auf Schutzhütten erstellt, zudem auch Einblick in Möglichkeiten des Ressourcen- und Notfallmanagements gegeben.

Besonders von Wasserknappheit betroffen sind hochgelegene Hütten. Anders als landläufig angenommen, kann das Wasser nicht einfach vom Gletscher abgepumpt und als Trinkwasser verwendet werden, sondern muss aufwändig gereinigt und aufbereitet werden. Moderne Hütten benötigen Wasser mit verschiedenen Qualitätsansprüchen einerseits zum Trinken und Kochen, andererseits für Sanitäranlagen, Reinigung und teilweise Energiegewinnung.

Es gibt Erhebungen zum Wasserverbrauch. Demnach verbraucht jede Person im Durchschnitt im Tal 120 Liter Wasser pro Tag, am Berg liegt die Zahl etwas darunter. Am höchsten ist der Verbrauch beim Duschen (30 Liter). Die Alpenvereine des Alpenbogens haben es sich zum Ziel gesetzt, den Wasserverbrauch auf Hütten spürbar zu senken. Großes Einsparpotential sieht man durch den Einsatz von wasserlosen Toiletten (Trockentoiletten). Diese sparen nicht nur Wasser, es vereinfacht auch die Abwasserreinigung. Vorreiter ist in diesem Bereich die Schweiz: Die hochgelegenen Hütten des Schweizer Alpenclubs (SAC) verfügen großteils über Trockentoiletten. So begegnet man dem Problem der Wasserknappheit auch auf der Neuen Prager Hütte des DAV in Osttirol am Fuß des Großglockners (https://www.youtube.com/watch?v=1dmw1DB_fTo). Auch dort wurden Trockentoiletten nachgerüstet. Diese Hütte musste aufgrund versiegter Quellen in den Jahren 2022 (Saison am 8. August frühzeitig beendet), 2023 (kurzfristige Schließungen) und 2024 (vorzeitiges Saisonende am 15. August) sogar vorübergehend geschlossen werden, im Winter ist die Hütte seit 2022 komplett geschlossen; nur mehr ein Winterraum steht zur Verfügung. Einzelne Hütten müssen auf Trinkwassertransporte per Hubschrauber setzen – was ökologisch und ökonomisch problematisch ist.

Der Alpenverein Südtirol appelliert an alle Wanderer:innen, die Abkühlung von der Hitze im Gebirge suchen, sich im Alltag, auf ihren Wanderungen und bei der Einkehr den Wert des natürlichen und hierzulande qualitativ hochwertigen Trinkwassers bewusst zu machen. „Ich möchte gar nicht zu weit ausholen….Auch das Trinkwasserproblem ist Teil der Folgen des Klimawandels, daher sollte jeder über seine Alltagsgewohnheiten reflektieren und versuchen, seinen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten. In Sachen Trinkwasser wäre es freilich gut, gut, dass viele Menschen seinen Wert erkennen, bevor das Wasser nicht mehr fließt und wir wie in anderen Regionen auf Trinkwasser aus der Flasche zurückgreifen müssen“, meint Martin Knapp.

Rieserfernerhütte © Michl Vonmetz

Tipps zum Wassersparen auf Hütten

  • Duschen vermeiden: Katzenwäsche mit einem Waschlappen
  •  Wenn es doch nötig ist: Beim Einseifen Wasser abdrehen
  • Zähneputzen und Händewaschen: Wasser kurz und nur sparsam verwenden
  • Trinkglas mehrfach verwenden: Getränke nachfüllen lassen
  • Merinowolle verwenden: Merinoshirts bleiben länger frisch im Vergleich zu Funktionsmaterial und müssen nicht direkt gewaschen werden.
  • Wechselwäsche für die Hütte: ein frisches Shirt und Unterwäsche sollten reichen