ALPINIST: Von der Halle in den Felsen Alpinist-U-18-Projekt
Fünf motivierte Nachwuchskletterer aus ganz Südtirol tauschten Ende Mai die Kletterhalle gegen den alpinen Fels. Vom 30. Mai bis 2. Juni stand für sie alles im Zeichen des alpinem Klettern. Das Ziel, die ersten Schritte im traditionellen Kletterstil zu erlernen und ihre Erfahrungen aus dem Sportklettern in anspruchsvolles alpines Gelände zu übertragen. Alle Teilnehmer:innen stammen aus den Kletterteams der AVS-Sektionen.
Mit uns dabei waren Bergführer Mark Oberlechner, Gianluca Kostner und Lorenzo D‘Addario. Wir übernachteten 3 Nächte im Camping Sass Dlacia im Gadertal und kletterten jeden Tag genussvolle Touren. Zu Beginn waren wir noch nicht so erfahren, unsere Bergführer nahmen sich jedoch geduldig die Zeit, uns jeden Schritt so oft einzuprägen, bis keiner von uns mehr Fehler machte.
Am ersten Tag gingen wir deshalb in einen Klettergarten und übten dort die grundlegenden Techniken, damit wir in den nächsten Tagen gut vorbereitet waren. Ein normaler Tag verlief danach wie folgt: Um 7 Uhr klingelte meist der Wecker. Dann bereiteten wir zusammen Frühstück vor und organisierten unsere Materialien für die bevorstehende Tour. Sobald alles vorbereitet war, starteten wir zusammen zu unseren geplanten Touren. Diese kletterten wir dann, seilten ab oder stiegen über einen Wanderweg ab, fuhren zurück zum Camping, besprachen dort das Geschehen des nächsten Tages und was am gleichen Tag gut oder weniger gut gelaufen ist. Gegen 22 Uhr gingen wir dann meist zu Bett, damit wir für den kommenden Tag ausgeruht waren.
Am zweiten Tag gingen wir ins Gebiet Cinque Torri und kletterten dort in 2er-Seilschaften, natürlich immer mit einem Bergführer an der Seite. Wir hatten uns am Tag zuvor Touren ausgesucht, die zwar klettertechnisch leicht zu bewältigen, aber wegen dem neuen Kletterstil nicht zu unterschätzen waren. Unsere Bergführer machten uns auch schnell klar, dass es bei diesem Sport keinen Platz für Fehler gibt, denn auch nur kleine Fehler können schlimme Folgen haben. An diesem Tag war das Wetter auch ausgesprochen schön und das ließen sich andere Kletterer auch nicht entgehen, weshalb der Klettergarten ziemlich überfüllt war und wir uns neue Routen suchen mussten, die nicht von zahlreichen Seilschaften zugleich begangen werden. Unter uns gab es einen Teilnehmer, die schon mehr alpine Kletterfahrung mitbrachte als der Rest und da es am zweiten Tag noch eher darum ging, die für uns neue Klettertechnik einzuüben bestieg der Erfahrene mit einem unserer Bergführer eine anspruchsvollere Route.
Am frühen Nachmittag begann es leicht zu regnen und es zeigten sich auch schon Anzeichen von Gewitter. In ein Unwetter zu geraten, während man mitten in einer Route ist, ist eines der schlimmsten Dinge, die einem Kletterer passieren können. Deshalb beeilten wir uns beim Abseilen aus der Route und kehrten zu unserem Camping zurück. Da wir noch sehr viel vom Tag übrig hatten, entschieden wir uns, in den Klettergarten nahe unseres Campings zu gehen, um dort ein paar Sportkletterrouten zu probieren.
Am Abend teilten uns unsere Bergführer mit, dass wir am nächsten Tag die Touren „Stella alpina“ und „Sole e Metallo“ auf dem Falzaregopass klettern würden. Die Materialorganisation und das Finden des Zu- und Abstiegs überließen sie uns, was eine gute Übung war, um zu erlernen, wie man selbst Touren organisiert und plant. Die Touren am nächsten Tag waren wunderschön zu klettern und Zu- und Absteig wurde mit einigen Komplikationen schließlich auch gefunden. Am Nachmittag wurde noch gekocht, besprochen, gewattet und diskutiert, was wir das nächste Mal besser machen könnten. Darin waren Mark, Gianluca und Lorenzo sehr gut. Sie zögerten keine Sekunde, uns auf unsere Fehler aufmerksam zu machen und hatten, höchstwahrscheinlich durch jahrelange Erfahrung, immer funktionierende Lösungsvorschläge parat. Am nächsten Tag war geplant, früh zu starten, da es im Laufe des Vormittags anfangen sollte, zu regnen. Da es auch in der Nacht gewittern sollte, ging es relativ früh ins Zelt, welches nach der anstrengenden Tour des Tages umso gemütlicher war.
Am letzten Tag ging es dann früh los. Das frühe Aufstehen lohnte sich jedoch nicht, da es schon bald anfing, zu regnen. Einige von uns seilten ab, da sie noch nicht so viele Seillängen geklettert waren. Die anderen kletterten die Tour jedoch rasch zu Ende, da nur mehr wenige Seillängen übrig waren. Abschließend trafen wir uns noch in einer Hütte und verabschiedeten uns mit Kaffee und Kuchen, bevor wir alle nach Hause fuhren.
Ich bin überaus dankbar, an einem solchen Erlebnis teilhaben zu dürfen. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass solche Dinge organisiert und auch mitfinanziert werden, deshalb können wir uns auch glücklich schätzen, dass der AVS diese jährliche Ausbildung und viele andere Touren, Ausbildungen und Ausflüge ausschreibt. Hoffentlich darf ich nächstes Jahr wieder so eine gute Ausbildung mit so gut ausgebildeten Bergführern genießen, bis dahin werde ich selbst noch viel üben und einige Routen selbst klettern.
David Köllemann
Das Projekt ALPINIST U18 ist ein spezielles Förderprogramm des AVS für Jugendliche von 14 bis 17 Jahren. Es richtet sich an sportbegeisterte Kletterer, die Erfahrung im Sportklettern (Niveau ca. 6c) haben und den Schritt ins Alpinklettern oder ins alpine Bergsteigen wagen möchten. Unter der Anleitung von erfahrenen Mentoren des Projekt ALPINIST lernen die Teilnehmer an mehreren Wochenenden, wie sie selbstständig und sicher im alpinen Gelände unterwegs sind. Das Programm umfasst Sommer- und Winteraktionen, darunter Alpinklettern (4-tägige Camps, bei denen der Übergang vom gesicherten Sportklettern zum alpinen Gelände trainiert wird) und Skitouren & Winter (Wochenenden mit Hüttenübernachtung, Biwak-Abenteuern und Skitouren-Ausbildung). Teilnehmen dürfen Sportkletterer:innen von 14 bis 18 Jahren, die mindestens 6c in der Halle klettern, AVS-Mitglieder sind und ein Motivationsschreiben einreichen.



















































