© Florian Huber

Während sich in Südtirol die Hitze staute und die Täler voller Urlauber waren, zog es eine achtköpfige Gruppe in höhere und kühlere Gefilde. Hannah, Kathrin, Lea, Sofia, Alea, Sabine, Thomas und Florian brachen nach Chamonix auf. Eine Woche lang war die Refuge de l'Envers des Aiguilles hoch über dem Mer de Glace ihr Zuhause, mitten in der eindrucksvollen Granitwelt des Mont-Blanc-Massivs.

Früh am Morgen sitzen wir mit noch müden und verquollenen Augen im Kleinbus des Alpenvereins in Richtung Chamonix. Vor uns liegen eine Woche voller Granit, Klettertouren und Abenteuer – und natürlich sind wir gespannt und aufgeregt, was uns erwarten wird.

Nach einem kurzen Stopp in Chamonix geht es gleich weiter mit dem Zug nach Montenvers. Von dort machen wir uns auf den Weg Richtung Mer de Glace und damit hinein ins Abenteuer – und das beginnt direkt mit dem Hüttenzustieg: über steile Leitern klettern wir an glatten Felswänden empor und ertasten zum ersten Mal in dieser Woche den strahlend grauen Granit mit unseren Händen. Mit schweren Rucksäcken (und gefühlt schweren Beinen) erreichen wir schließlich die Refuge de l’Envers des Aiguilles. Dort werden wir mit hervorragendem Essen und herzlicher Gastfreundschaft empfangen, sodass wir uns sofort wohlfühlen.

Motiviert und voller Tatendrang blättern wir am Abend im Kletterführer und begutachten die Touren, die uns natürlich schon im Vorfeld inspiriert haben. Die Entscheidung für die erste Route fällt nicht leicht: die Wetterprognosen sind ebenso vielfältig wie die Touren und Schwierigkeitsgrade, nämlich schwer einzuschätzen und wechselhaft. Da wir das Wetter und seine Eigenheiten hier noch nicht genau kennen und einzuschätzen vermögen, entscheiden wir uns zunächst für eher kürzere Touren. Müde, aber voller Vorfreude auf die kommenden Tage, fallen wir schließlich in unsere Lager-Betten.

Am nächsten Tag teilen wir uns auf: Hannah, Kathrin, Lea und Florian erkunden die Platten unterhalb der Hütte am „Pilier des Contes“ und nehmen die Route „Les Contes de l’Ordinaire“ in Angriff. Alea, Sofia, Sabine und Thomas wagen sich an die „Tour Verte“ und klettern „Le Piège“. Am darauffolgenden Tag werden die Touren unter den beiden Gruppen getauscht.

Begeistert kehren wir zur Hütte zurück und machen uns sofort auf die Suche nach der nächsten Herausforderung. Das Wetter scheint stabiler zu werden – perfekte Voraussetzungen für eine längere Tagestour. Für Alea, Sofia, Sabine und Florian steht die „Guy-Anne“ an der „Première Pointe des Nantillons“ auf dem Programm. Sie sollte sich zum Kletter-Highlight unserer Woche entwickeln: wunderschöne, anhaltende Risskletterei an steilen Wänden, unterbrochen von abwechslungsreichen plattigen Passagen – und das alles an beeindruckendem, griffigem Granit. Die zweite Gruppe klettert währenddessen die „Bienvenue au Georges V“.

Am darauffolgenden Tag steht für Hannah, Lea, Kathrin und Thomas ebenfalls die „Guy-Anne“ auf dem Programm. Sofia, Alea, Sabine und Florian steigen in „Le Granit en Folie“ ein – eine weniger begangene und durchwachsene Tour direkt unterhalb der Hütte. Was als gemütlicher Tag mit Genusskletterei geplant war, entwickelt sich schließlich zu einem langen und spannenden Abenteuer.

Am letzten Tag wollen wir unsere genossene Kletterwoche mit einer gemeinsamen Tour abschließen: „Magie d’Orient“ an der „Pointe d’Orient“ soll es sein. Der Zustieg führt über den spaltenreichen Gletscher. Immer wieder lässt uns das gruselige Donnern von herabpolternden Steinen, das uns bereits die letzten Tage begleitet hat, zusammenzucken. Da wirken selbst die schallenden und dröhnenden Motorgeräusche der Motorräder und Sportwagen auf unseren heimischen Pässen vergleichweise plötzlich erstaunlich leise.

Nach einer erfolgreichen Tour kehren wir alle zufrieden von unserer begangenen Route zur Hütte zurück.

Am Abend sitzen wir schließlich alle zusammen, erzählen begeistert von unseren Touren, tauschen Geschichten aus und lachen über erstaunlich lustige Witze und Blödsinne. Zwischendurch fordern wir uns beim „Watten“ gegenseitig heraus – wobei Engagement und Enthusiasmus hier genauso wenig zu kurz kommen wie beim Klettern. Eine hitzige Partie eben! Lautes und geselliges Gelächter erfüllt die Stube, und wir genießen dieses einfache, unbeschwerte Beisammensein an diesem besonderen Ort.

Eine Woche voller Granit, Gletscher, Abenteuer und gemeinsamer Erlebnisse geht zu Ende. Dankbar für die großartige Zeit, die vielen tollen Klettererfahrungen und die neuen Bekanntschaften, aber umso weniger dankbar für die nicht vorhandene Klimaanlage im Kleinbus, sitzen wir am nächsten Tag bei den hitzigen Temperaturen dieses Sommers wieder im Fahrzeug des Alpenvereins und machen uns auf den Weg zurück in die südtiroler Bergwelt.

Denn bei uns ist es doch immer noch am schönsten.

Oder?

 

Text: Feichter Sabine

Mit freundlicher Unterstützung von unseren Hauptpartnern

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