Am Rande des Biotops Millander Au© Judith Egger
Die Rodung des Auwalds in der Brixner Industriezone bewegt die Gemüter. Das Referat für Natur und Umwelt hat den Ort des Geschehens bei seinem Jahrestreffen besucht. Begleitet von der Hyla - Umweltgruppe Eisacktal und dem Vorstand des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz konnte es sich ein Bild von der Situation machen.
Statt einer Vollversammlung treffen sich die Referent:innen für Natur und Umwelt im AVS einmal im Jahr zu einer Exkursion. Dieser Lokalaugenschein gibt den Mitgliedern des Referatsausschusses und den Referent:innen der Sektionen und Ortsstellen die Möglichkeit, sich kontrovers diskutierte Projekte vor Ort anzuschauen und Kontakt zu lokalen Gruppen und befreundeten Vereinen zu knüpfen. Das diesjährige Jahrestreffen führte das Referat am 28. März nach Brixen, wo sich die Referent:innen in Begleitung der Hyla – Umweltgruppe Eisacktal und des Vorstandes des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz den Auwald in der Brixner Industriezone und die Millander Au anschauten.
Umstrittener Fall: Der Auwald Brixen
Das Schicksal der Tschötscher Au in der Brixner Industriezone wurde in den letzten Jahren medial ausführlich diskutiert. Das circa drei Hektar große Waldstück gehörte ursprünglich dem Brixner Priesterseminar und wurde von der Firma Progress zur Erweiterung ihres Firmengeländes angekauft. Als Ausgleich kaufte der Betrieb eine landwirtschaftlich genutzte Fläche angrenzend an die Millander Au, um die Erweiterung des dortigen Biotops zu ermöglichen. Die Meinungen der Umweltverbände zum Thema gehen auseinander: Einerseits wird der ökologische Wert dieser grünen Insel in der Brixner Industriezone betont und der starke rechtliche Schutz, den die Klassifizierung als Auwald haben sollte, dessen Aufhebung ein gefährlicher Präzedenzfall sein könnte. Andererseits wird erklärt, dass durch die Erweiterung des Biotopes in der Millander Au ein noch viel wertvollerer Lebensraum geschaffen werden kann.
Der Alpenverein hat zu dieser schwierigen Thematik noch nicht Stellung bezogen. Trotzdem wollten sich die Referent:innen für Natur und Umwelt den Fall einmal aus der Nähe ansehen. Begleitet von Lukas Neuwirth von der Hyla, der Eisacktaler Umweltgruppe, begaben sie sich also auf eine Exkursion in den Süden von Brixen. Neben den Mitgliedern des Referatsausschusses, Referent:innen der Sektionen und Ortsstellen und den Mitarbeiter:innen des Referates in der Landesgeschäftsstelle waren auch Elisabeth Ladinser, Präsidentin des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz und Mitglieder des Dachverband-Vorstandes dabei.
Im Fischzuchtpark Brixen: Elisabeth Ladinser (Dachverband für Natur- und Umweltschutz), Gregor Beikircher (AVS Vahrn), Walter Eccli (AVS Salurn) und Lukas Neuwirth (Hyla) (v.l.n.r.). © Judith Egger
Aureste und Naturräume im Brixner Süden
Erster Stopp der Exkursion war beim Fischzuchtpark neben dem Lido Brixen, wo der Rest eines Eisack-Mäanders als Teich übriggeblieben ist. Hier bot sich der Exkursionsgruppe ein gutes Beispiel für Nutzungskonflikte zwischen Freizeitraum und Erholungszone für die Tierwelt. Außerdem konnte man eine interessante Umweltwerkstätte besichtigen: Die Hyla versucht am Südufer des Teiches mit Plastikröhren die natürlichen Brutstätten der Eisvögel nachzubilden.
Weiter ging es am Eisack entlang Richtung Süden bis zur Brixner Industriezone. Dort besichtigte die Exkursionsgruppe den in die Schlagzeilen geratenen Auwald, von dem ein Teil bereits gerodet worden war. Es wurde hitzig über das Für und Wider des geplanten „Austausches“ diskutiert. Exkursionsbegleiter Lukas Neuwirth betonte den Wert der Auwaldfläche, erklärte aber auch die Position der Hyla, dass das Gebiet angrenzend zur Millander Au durch den Kontakt zum Wasser eine höhere ökologische Wertigkeit erreichen könnte. Über der Diskussion kreisten die Graureiher, die im noch nicht gerodeten Teil des Auwaldes nisten.
Die gerodete Fläche in der Brixner Industriezone. © Judith Egger
Die Millander Au
Nach der Besichtigung des Auwaldrestes in der Industriezone übergab Lukas Neuwirth die Führung der Gruppe seinem Vereinskollegen Hugo Wassermann. Der Hobby-Fotograf und Ornithologe konnte die Exkursionsteilnehmer gleich auf eine Wasseramsel aufmerksam machen, die unter der Eisackbrücke bei der Mensa nistete. Auf dem Weg das linke Eisackufer entlang machte er auf verschiedene Vogelarten aufmerksam, die zu sehen oder zu hören waren. Das Gebiet nahe der Millander Au ist nämlich ideal für Zugvögel, erklärte er. Die aus dem Süden kommenden Vögel können sich nach dem engeren Teil des Eisacktales im breiten Brixner Talkessel ausruhen, die Wasserflächen bei der Millander Au bieten dafür gute Plätze. Im Süden der Millander Au haben Wassermann und die Mitglieder der „Gruppe AuRaum“, einer Untergruppe der Hyla, bereits begonnen, an ihrer Vision für die Gestaltung der Millander Au zu arbeiten: Hier wurde dank großzügiger Spenden und der Unterstützung von Gemeinde Brixen und Stiftung Landschaft eine Parzelle angekauft und Lebensraum für Vögel und Reptilien geschaffen. Ein Teich wurde gegraben, Ast- und Steinhaufen angelegt, auf denen sich beim Besuch die Rohrammern tummelten.
Bei einer gemütlichen Marende neben der Millander Au erklärte Hugo Wassermann die großen Pläne der Gruppe AuRaum für die Millander Au und die durch die Ausgleichsmaßnahmen der Progress dazugekommenen Flächen. Durch die Absenkung eines Teils der Fläche auf das Niveau des Eisacks, die Anlage von Wasserflächen, die Saat von Getreide auf einigen Teilen, die Offenhaltung des Geländes auf anderen sollte ein Paradies für möglichst viele verschiedene Vogel- und Tierarten geschaffen werden. Neben der Ausgleichsflächen für den Tschötscher Auwald hofft Wassermann, weitere Flächen durch Spenden und öffentliche Finanzierung ankaufen zu können, um so das Biotop noch zu erweitern. Ein Anliegen, das das AVS-Referat für Natur und Umwelt nur unterstützen kann.










