„Wish you were here (M5 / 70°)“, Schwarze Wand, Schnalstaler Gletscher
Erstbegehung der Route "Wish you were here " von Lukas Erlacher und Julian Wörndle
Am 09.03.2025 gelang Lukas Erlacher und Julian Wörndle vermutlich die Erstbegehung einer klassischen kombinierten Nordwand an der Schwarzen Wand beim Schnalstaler Gletscher.
Die Geschichte unserer Begehung beginnt im fernen Jahr 2013. Damals stach mir die Wand und mehrere interessante Linien ins Auge. Ich machte Fotos und zeichnete eine Linie ein. Leider kam es nie zu einem Versuch….. Bis mich Julian, ein alter Kumpel aus der Naturnser Jugendzeit, auf die Wand ansprach. Es dauerte keine drei Monate und wir vereinbarten einen Versuch. So bestieg ich, ganz in moderner Eco-Point Manier, am Sonntag 09.03.25 um 07:04 Uhr in Naturns den Linienbus ins Schnalstal. Die erste Seilbahnfahrt brachte uns kräfteschonend auf den Schnalstaler Gletscher. Nachdem Julian seine Splitboardhälften wieder abfellte (Änfangerfehler😊) brausten wir über die Piste Richtung Zustieg. Ein kurzer Stopp, wir vereinbarten genau wo wir einsteigen wollten, und schon querten wir unter dem Finail Tellerlift Richtung Schwarze Wand. Wir fellten wieder auf und spitzten den steilen Hang zum Einstieg rauf. Die harte Schneedecke, teilwiese mit Harschdeckel, aber vor allem die nicht vorhandenen Harscheisen (aus Gewichtsgründen😊) machten den kurzen Zustieg um einiges anstrengender/spannender. Unter einem kleinen Überhang machten wir uns zum Klettern bereit. Ich stieg voller Motivation in die erste Seillänge ein. Erst steiler Schnee, dann kompakter Fels, eine Top Köpflsicherung, dann sogar eine Eisplatte, in der ich eine bomben Schraube versenkte. Nun steilte der Fels auf. Eine gute Ritze. Der Nagel sang. Die Öse auf der falschen Seite (aaarrrg 😊).Mit der Pickelhaue wieder raus. Nun sang er wieder. Von meiner Pickelhaue in hohem Bogen nach unten in den Schnee. Der nächste Nagel saß besser. Schlinge rein, weiter. Links… dann doch besser rechts. Die Haue drang in die dünne Eisauflage und ich zog mich auf das kleine Plateau. Ein perfekter Riss für einen grauen Friend. Nun folgte delikates Spreizen der Frontalzacken auf kompaktem Gneis. Ein passabler Griff. Ich setzte meine Frontalzacken auf eine gute Leiste schob mich sanft nach oben und versenkte meinen Nomic mit schmatzendem Geräusch ins Eis der Rinne über mir. Ich stieg die Rinne höher und suchte eine Standmöglichkeit auf der linken Seite. Wie so oft konnte ich einen guten Riss erst kurz nach dem Kommando „Seil aus“ finden. Ein bomben Klemmkeil wurde durch zwei passable Nägel und einer Köpfelschlinge ergänzt. Es dauerte gar nicht so lange bis sich Julian aus dem Fels in die Rinne zog und zu mir aufschloss. Nun stiegen wir am laufenden Seil weiter. Die Rinne wurde breiter, der Schnee weicher. Wir querten aufsteigend nach rechts. Es folgte ein steilerer Aufschwung im Fels, nun wieder leicht rechts und in die enge Rinne Richtung Gipfelgrat. Immer wieder boten sich gute Sicherungsmöglichkeiten im Fels. Der Schnee war oft hart wie Eis, dann wieder Grundlos weich. Am Gipfelgrat fand ich erstaunlich schnell das perfekte Standköpfl. Während ich Julian nachsicherte schweifte mein Blick zur Schwemser Spitze auf der anderen Talseite. Dort Verunglückte vor ein paar Tagen mein Freund Robert tödlich. Die Tatsache, dass ich nie mehr sein herzliches Lachen nach einer gemeinsamen Tour sehen werde, schmerzte. Dass seine drei Kinder jetzt ohne ihn aufwachsen müssen noch viel mehr. Mir kam die Idee diese Tour ihm zu widmen. Nun ermahnte ich mich aber wieder zur vollen Konzentration. Schließlich wollten Julian und ich auch bald wieder zu Hause bei unseren Kindern sein. Wir kletterten über den ausgesetzten Grat Richtung Süden auf den Gipfel. Nun wurde der Grat flacher und wir kamen problemlos in die Scharte zwischen der Schwarzen Wand und den Finailköpfen. Bald fanden wir zwei gute Köpflen von denen wir uns 25m die Flanke Richtung Gletscher abseilten. Wir kletterten noch ca. 30m in flacheres Gelände und bereiteten uns für die Abfahrt vor. Die Abfahrt startete in typisch kompakten Gletscher-Pulver, ging dann aber leider in Bruchharsch und bockhartem Schnee über. Trotzdem rasten wir die übel zugerichteten Pisten mit einem breiten Grinsen Richtung Tal. Das Skiwasser in der Platzl Bar(es ist Fastenzeit😊) schmeckte vorzüglich und ich freute mich als Julian sofort zustimmte die Tour Robert zu widmen. Ich sehen ihn genau vor mir, hier in der Platz Bar. Wie er an seinem Espresso nippt nachdem ich mit ihm und seinem Bruder Mortl die Schwemser Rinne runter cruisten….. wish you were here.
Routeninformationen
„Wish you were here“
Erstbegehung: Lukas Erlacher und Julian Wörndle am 09.03.2025
Schwierigkeit: 1 Sl M5, dann M2-M3, 70grad
Länge: 280m / 6 Seillängen
Material: 50m Seil, 4 Cams bis BD1 (Rot), Nägel, Eisgeräte, 2-3 Eisschrauben, Schlingen und evtl. 3-4 Klemmkeile. Identitätskarte! Mann überquert mind. zwei mal die Staatsgrenze 😊
Ausrichtung: Nord
Felsart: Gneis
Charakter: Klassisches kombiniertes Nordwandgekraxle. Ski/Snowboard für Zustieg(Zufahrt)und abfahrt sehr zu empfehlen. Die Tour ist einfach zu erreichen, die Schwierigkeiten moderat. Mit 1-2 zusätzlichen Nägeln verlangt die Einstiegslänge weniger Vorstiegsmoral. Grundsätzlich lässt sich die Tour gut absichern. Die Verhältnisse müssen passen. Nicht zu viel Schnee, nicht zu wenig. Niedrige Temperaturen und geringe Lawinengefahr sind Voraussetzung
Zustieg: Ins Schnalstal nach Kurzras. Mit der Seilbahn hoch zur Grawand. Abfahrt über die Piste bis kurz oberhalb der Talstation des Finail Tellerlifts. Aufstieg über Schnee/Gletscherhang zum Einstieg. Ab Grawand ca. 1 h. Ca. 3h für die Wand. Zustieg direkt von Kurzras über Piste möglich aber nicht zu empfehlen, da 1. sehr anstrengend und 2. Nicht gerne gesehen von den Liftbetreibern. Wenn dann nur mit Dolomiten im Rucksack und Südtirol 1 im Ohr 😉
Abstieg: Über Grat Richtung Süden auf Gipfel und dann in Scharten zwischen Schwarze Wand und Finailköpfe. Richtung Norden auf Gletscher Abseilen/Abklettern. Über Gletscher abfahren und auf Skipiste nach Kurzras. . 1 h für Grat und Abstieg+Abseilen. 19 min. für Abfahrt über Gletscher und Pisten nach Kurzras. Mit Einkehr in Schöne Aussicht Hütte und Teufelsegg Hütte um einiges länger